Durch die Lappen gegangen

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Redensart: etwas oder jemand geht (einem) durch die Lappen. Diese Redewendung stammt aus der Jägersprache und bezeichnet ursprünglich eine bei einer bestimmten Jagdtechnik als sicher gedachte Beute, die trotz getroffener Vorkehrungen unerwartet noch verloren geht.

Der Ausspruch bezieht sich dabei auf die bei dieser Jagdmethode verwendeten Lappen, die aus verschiedenen Materialien bestehen konnten.

Ursprung

Zahlreiche Erklärungsversuche der Redewendung beziehen sich auf die Jägersprache. Die Ursprünge dieser Fachsprache lassen sich teils bis in das 7. Jahrhundert zurückverfolgen. Einige der Spezialbegriffe und Phrasen haben sich bis in die Umgangssprache hinein ausgeweitet. Sie waren mitunter schon länger im Sprachgebrauch, bevor sie in Wörterbüchern erstmals erwähnt wurden. 1780 berichtet der Prediger Samuel Johann Ernst (S.J.E.) Stosch in seinem Buch „Kleine Beiträge zur nähern Kenntniß der Deutschen Sprache“ über die Formulierung. Und Bailey-Fahnenkrügers Wörterbuch der englischen Sprache weist 1822 in der zwölften Auflage als Übersetzung für „durch die Lappen gehen“ das englische „to scamper away“ oder „to slip off“ aus. Die französische Übersetzung wird heute mit „passer à travers les mailles du filet“ wiedergegeben und entspricht damit eher einer Anlehnung an eine andere Form der „Jagd“, nämlich „jemandem durch die Maschen schlüpfen“.

Lappjagd

Dabei bezieht sich die Redensart „jemandem durch die Lappen gehen“ auf eine bestimmte Form der Jagd: Die Lappjagd. Diese ist eine alte Methode, mittels der in unwegsamem, baum- oder buschbestandenem Gelände auf Tiere Jagd gemacht wird. Sie geht meist mit der Treib- oder Drückjagd einher. In Feldern, Rainen und Wäldern verstecken sich die Jagdtiere häufig, indem sie sich an den Boden drücken oder hinter Büschen Schutz suchen. Die Jäger schreiten dann lärmend durch die Gegend und scheuchen das Wild auf, das dann – vom Jäger weg – flüchtet. An eine Schnur werden dann Stoff, Lederstreifen oder Tücher (Lappen) gefädelt und diese zwischen den Bäumen und Sträuchern gespannt. Da das Wild sich durch die Bewegung und Geräusche dieser Lappen wieder erschreckt und in aller Regel einen anderen Weg einschlägt, fort von den Lappen und fort von dem lärmenden Jäger, ist es so möglich, dessen Bewegungsradius mehr und mehr einzuschränken. Das Wild wird in die Enge getrieben und gefangen oder erlegt. Aller Erwartung nach hat das Wild keine Gelegenheit zur Flucht. Nur den Tiere, die ihre Ängste überwinden und zwischen den flatternden Lappen hindurchpreschen, gelingt die Flucht und sie entgehen ihren Jägern – sie gehen ihnen durch die Lappen.

Markierung eines Jagdreviers

Eine weitere Form der Lappen war historisch noch die zusätzliche Kennzeichnung der Streifen mit dem Wappen desjenigen, dessen Jagdgebiet so markiert wurde. Durchbrach das Wild diese Einfriedung, so ging es gleichfalls „durch die Lappen“, weil es in den Jagdbereich eines anderen Herrschers oder in einen jagdgeschützten Bereich wechselte.

Seit dem 18. Jahrhundert ist die Verwendung der Phrase „durch die Lappen gehen“ in der deutschen Umgangssprache belegt. Sie wird spätestens von da an jedoch nicht mehr nur für Wild verwendet, sondern auch für Personen, Gewinne und Chancen, die jemandem „durch die Lappen gehen“ können. Trotz aller getroffenen Maßnahmen und taktischen Überlegungen hat man ein gewünschtes Ziel nicht erreichen können und der Profit oder Vorteil geht verloren.


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