Vom Regen in die Traufe

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Das Sprichwort „Vom Regen in die Traufe kommen“ drückt eine unangenehme Situation aus, die sich für den Beteiligten in einen noch schlechteren Zustand wandelt.

Die Redewendung stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert, einigen Quellen zufolge aus dem Orient. Als „Traufe“ wird die Dachkante eines Hauses bezeichnet, an deren Stelle sich Wasser während eines Regengusses sammelt und daraufhin in größeren Mengen abfließt. Wer sich folglich vor den Regentropfen unter eine Traufe flüchtet, wird nasser als er es vorher geworden wäre.

Es ist heiß und schwül. Kein Wölkchen am Himmel, die Sonne brennt. Süßer Apfelduft liegt in der Luft, die Bienen summen. Ganz plötzlich wird es dunkel, von der Ferne grollen Gewitterwolken heran, wie aus dem Nichts ist der Himmel verhangen, die Wolken öffnen sich und Regenfäden ziehen sich von den Lüften her kommend bis zum Boden in immer größer werdende Pfützen.

Wir rennen mit lauter Hast um uns irgendwo unterzustellen. Gerade noch bevor es richtig losgeht, haben wir eine kleine Hütte erreicht. Wir stellen uns unter das Dach, betrachten das Naturschauspiel und sind erleichtert, dass wir es noch rechtzeitig zu unserem sicheren Unterschlupf geschafft haben. „Die armen Leute, die es nicht rechtzeitig gemerkt haben und immer noch da draußen umherirren“, denken wir mit ein wenig Mitleid, einem Funken Häme und einem bisschen Schadenfreude. Genau in diesem Moment erwischt es uns kalt im Nacken: Eine riesige Menge Regenwasser hat sich vom Hausdach gelöst, platscht – ohne von einer Regenrinne aufgehalten zu werden – auf unsere Hinterköpfe und läuft uns hinten den Kragen hinein und den Rücken entlang.

Wir sind vom Regen in die Traufe gekommen.

Das genannte Sprichwort beschreibt die Situation, von einer üblen Lage in eine noch schlechtere zu geraten. Im Englischen heißt es daher auch „to go from bad to worse“ – sich also aus einer misslichen Lage (in diesem Falle dem Regenwetter) zu befreien und sich dabei in eine noch größere Misere zu katapultieren. In der kleinen Geschichte ist das zweifellos der Fall: An einer Traufe, einer Dachkante ohne Regenrinne, sammelt sich bei Schauern und Unwetter vermehrt das Regenwasser und fließt dort in größeren Mengen ab. Schutzsuchende vor dem Wolkenbruch bekommen hier folglich noch mehr Wasser ab als vorher und wünschen sich vermutlich in diesem Moment, doch im Regen geblieben zu sein. Schon Goethe formuliert im 17. Jahrhundert „Er springt in den Teich, dem Regen zu entfliehen„. Die Redewendung ist seit dieser Zeit im deutschsprachigen Raum bekannt, stammt aber einigen Quellen zur Folge aus dem Orient.

Der Begriff „Traufe“ hat dabei einen zweideutigen Begriff: Zum einen ist damit die Unterkante eines Dachs gemeint, an der das gesammelte Wasser der Dachoberfläche abläuft. Aus dem althochdeutschen oder mittelhochdeutschen trouf(e) kann es mit dem Verb „triefen“ in Verbindung gebracht werden. Betrachtet man diese Wortbedeutung näher, wird schnell die Verbindung zur zweiten Bedeutung des Wortes Traufe, nämlich „die Triefende“ klar. Und hieraus ergibt sich schnell der Zusammenhang zum bekannten Sprichwort.

Heute wird unserer großen Misere mit funktionsfähigen Regenrinnen entgegengewirkt – wir sind froh um diese Erfindung und bedauern die Menschen des 17. Jahrhunderts, die des Öfteren einen eiskalten Schauer in ihrem Nacken verspürten.